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Erfolgreicher erster digitaler Eppendorfer Dialog

Das Potenzial bewährter Arzneimittel muss stärker Beachtung finden. Zumindest darin waren sich die Referenten mit der Vertreterin der Gesundheitspolitik einig.

Potenzial bewährter Arzneimittel muss stärkere Beachtung finden

Beim ersten online veranstalteten Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik ging es am 19. Januar 2021 um die Frage, ob sich das Gesundheitssystem den vernachlässigenden Umgang mit bewährten, versorgungsrelevanten Arzneimitteln leisten kann oder damit das Fundament der Versorgung in Gefahr bringt. Es zeigte sich, dass das Potenzial bewährter Wirkstoffe für neue Indikationen groß ist und die Investitionskosten im Vergleich zur Einführung neuer Wirkstoffe deutlich niedriger sein können. Ihre Weiterentwicklung scheitert jedoch meist an Regularien und einer Preispolitik, die für Arzneimittel mit patentfreien bewährten Wirkstoffen keine wirtschaftliche Grundlage bietet. Über Lösungsansätze diskutierten die Referenten und das per Chat beteiligte Auditorium ebenso wie über geeignete Instrumente gegen Lieferengpässe und neue Kriterien für Rabattvertragsausschreibungen. Die gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion, Karin Maag, forderte die pharmazeutischen Industrie auf, sich mit konstruktiven Vorschlägen an notwendigen Verbesserungen zu beteiligen.

Unter der Moderation von Prof. Dr. med. Achim Jockwig (Vorstandsvorsitzender des Klinikums Nürnberg) debattierten Prof. Dr. Theodor Dingermann (Pharmazeut, Seniorprofessor an der Johann Wolfgang Goethe-Universität Frankfurt a. M.), Dr. Norbert Gerbsch (Leitung Innovation & Healthcare Management, G. Pohl-Boskamp GmbH & Co. KG), Martin Litsch (Vorstandsvorsitzender AOK-Bundes-verband) und Karin Maag, MDB (Gesundheitspolitische Sprecherin der CDU/CSU-Bundestagsfraktion).

Prof. Dingermann zeigte an Beispielen auf, dass sich bekannt, erforschte Moleküle mit umfangreicher Datengrundlage bei der Repositionierung oft als vorteilhaft erweisen. Azidothymidin/AZT in der HIV-Therapie, Thalidomid gegen Lepra, Sildenafil zur Behandlung der erektilen Dysfunktion oder das Antidiabetikum Metformin, das heute ein Star in der seriösen Antiaging-Forschung ist. Laut Dingermann ist das Potential vieler bewährter und sicherer Wirkstoffe längst nicht ausgeschöpft. Allerdings, betonte Dr. Gerbsch, fällt es der Industrie schwer, hier einzusteigen, wenn die Forschung an bewährten Wirkstoffen für neue Indikationen durch Festbetragsregelung und erweitertes Preismoratorium meist kaum eine Chance zur Amortisierung der Investitionskosten böten. Dr. Gerbsch veranschaulichte, dass bewährte, patenfreie Wirkstoffe fast 95 % der Grundversorgung in Deutschland sichern, mit diesen Arzneimitteln jedoch nur 50 % der Umsätze generiert werden. Rund 56 % aller abgegebenen Arzneimittel laufen unter Rabattvertrag und müssen entsprechend preiswert sein. Inzwischen kommen fast zwei Drittel der Wirkstoffe aus Asien. Das Risiko für Lieferengpässe steige.

Kein Widerspruch kam in diesem Punkt vom AOK-Bundesvorstandsvorsitzenden Martin Litsch. Er sieht die Kassen in der Bredouille: „Wenn Patent-Arzneimittel bei einem Verordnungsanteil von nur 7 % gut 50 % der Gesamt-Arzneimittelkosten ausmachen, kriegen wir das nur gestemmt, weil wir bei den bewährten Arzneimitteln gute Steuerungselemente haben.“ Litsch schlug eine gesetzliche Regelung für einen "fairen Interimspreis“ bei Markteinführungen mit neuen Wirkstoffen vor und in Bezug auf die Preisbildung für bewährte Wirkstoffe mit neuer Indikation das Greifen der AMNOG-Mechanismen. Für die Rabattvertragsregelungen forderte Litsch mehr Transparenz und breitere Kriterien.

Dass eine Grundsicherung für generische Arzneimittel notwendig ist, steht für Karin Maag außer Zweifel. „Wir werden auch die pharmazeutischen Regulierungsinstrumente in Frage stellen“, so Maag. Insbesondere soll auch die Festbetragsregelung für Neuindikationen bei bewährten Wirkstoffen aufgegriffen werden. Auch können die gesundheitspolitischen Entscheider sich vorstellen, die Herstellung in Europa bei der Rabattvertragsausschreibung sowie auch im Festbetragssystem zu berücksichtigen. Maag forderte insbesondere die pharmazeutische Industrie auf, Ideen und Vorschläge einzubringen und betonte, wie wichtig eine Veranstaltung wie der Eppendorfer Dialog zur Gesundheitspolitik ist: „Hier höre ich, wo wir eingreifen müssen.“

Wenn Sie die Debatte noch einmal Revue passieren lassen wollen, ist hier der Link zur Veranstaltungsaufzeichnung:

https://www.youtube.com/watch?v=qHD9aOw7Q34

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